natalia unterwegs

Tromsø im Winter – ein Traum nördlich des Polarkreises!

auf der Suche nach Polarlichtern, in einem „Aurora-Camp“

Zum 18.Geburtstag unserer Tochter sollte es eine Reise geben. Aber wo kann man denn 4-5 Tage im Winter hinfahren? Da wir Natur lieben, fiel die Entscheidung auf Nordnorwegen, Tromsø. Obwohl man in 4-5 Flugstunden da ist, es eigentlich „nah“ ist, fühlt sich der Aufenthalt dort doch an, als ob man in einer ganz anderen Welt gelandet sei. Schneeberge, vereiste Straßen, wenig Tageslicht, sensationelle Natur – wirklich erholsam für den gestressten Großstadtgeist!

Freitag Abend Ankunft

Wir landeten auf einer anscheinend eisigen Piste. Das Flugzeug wurde ein wenig hin und her geweht. Dann stiegen wir über die Rolltreppe aus und „eierten“ zunächst über die eisige Bahn in das Flughafengebäude! Unser Flug ging von Hannover über München, Oslo nach Tromsø. Verrückt, dass man erst in den Süden fliegt um im Norden zu landen. Das steigerte unser schlechtes Gewissen ein wenig, klimaunfreundlich geflogen zu sein.

Vom Flughafen nahmen wir ein Taxi in die Stadt. Das kostet knapp unter 20€ und war ideal abends um 22 Uhr. Die Fahrt ins Zentrum dauert etwa 10 Minuten. Lustigerweise geht es dabei durch ein Tunnelsystem hindurch.

In Tromsø bezogen wir im Hotel Skansen ein Doppelzimmer. Das Hotel ist super zentral gelegen aber einfach. Unser kleines Zimmer war kuschelig warm, sehr gut bei richtigem Winter. Frühstück gab es auch, die Auswahl war o.k. aber nicht so, dass wir vom Frühstück schon Kilos auf die Hüfte bekommen hätten.

Wir erkundeten die Stadt und aßen bei Burger King. Die Stadt war voll jugendlicher Menschen, die hauptsächlich laut waren. Eigentlich wirkten sie auch mindestens angetrunken, was mich bei den Preisen für Alkohol in Norwegen überraschte. Gruselig war es überhaupt nicht. Der viele Schnee und die beleuchteten Häuser ließ es erstaunlich hell erscheinen.

Samstag

Heute wollten wir uns zunächst orientieren und deckten uns mit warmer Winterkleidung ein, das Paket hatten wir von zu Hause aus bereits vorgebucht. Wir bekamen super dicke Stiefel, eine Schneehose, Daunenjacke, Mützen mit Klappohren sowie Handschuhe. Wenn ich zu Hause anständige Schneestiefel gekauft hätte, hätte ich für ein Paar mehr ausgegeben als die Miete für 2 Personen betrug.

Dick eingemummelt ging es über die große Brücke von Tromsø zur Seilbahn, die uns auf den Fjellheisen bringen sollte. Der Weg über die Brücke dauert etwa 45 Minuten und ist windig. Dennoch bietet sich hier schon ein toller Blick auf den Fjord. Nach der Brücke geht es etwas bergauf zur Gondelstation. Es lief sich beschwerlich auf dem festgefahrenen und festgetretenem Schnee. Ich habe mich gefreut, dass ich schon zu Hause Spikes aus China bestellt hatte. Diese über die Schuhe gezogen waren eine Wohltat! Strammen Schrittes ging es zur Bahn.

Oben angekommen merkten wir, dass wir richtigen Wind bis dahin noch nicht erlebt hatten. Es blies super kalt und sehr scharf. Aber das war ein unwahrscheinlicher Wow- Effekt. Dieser Ausblick, viel Schnee, eisige Kälte. Super!

Am Abend ging es los mit dem Bus auf der Suche nach Nordlichtern. Dazu muss der Himmel klar sein. Trotzdem ist ein klarer Himmel kein Garant für Nordlichter. Ab Tromsø werden verschiedenste Touren dazu angeboten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle am Abend losgehen und bis in die Nacht hineindauern. Wir buchten eine Bustour mit dem Besuch des Aurora-Camps, wo es warme Zelte geben sollte und eine warme Suppe. Schon mal vorweg: es war überall sehr kalt!

Da es um Tromsø herum sehr verschneit war, beschlossen unsere Guides, es in Finnland zu versuchen. Während die junge freundliche Eva uns also viel über Nordlichter an sich erzählte, bretterte der luxuriöse Reisebus über die verschneite Straße mit 90km/h. Unscheinbar war die Grenze zu Finnland, lediglich ein kleines Schild wies uns auf die Ländergrenze hin. Yeahhh – jetzt war ich auch mal in Finnland! Auf einem kleinen Parkplatz stoppte der Bus, alle stiegen aus und Stative wurden aufgebaut. Das Nordlicht besteht aus vielen Farben, beginnend mit Grün. Dieses Grün lässt sich durch eine Aufnahme mit langer Belichtungszeit sichtbar machen, bevor das menschliche Auge es sieht. So war es bei uns. Es war also ein wenig Nordlicht da, aber wir haben es nicht sehen können. Aufregend war der Tripp trotzdem.

Vom Parkplatz aus fuhren wir zum Camp, bekamen eine heiße Suppe und Geschichten rund um die Nordlichter zu hören, die eher in den Bereich Mythen anzusiedeln waren. Auch hier haben wir tolle Fotos machen können. Nordlichter waren nicht zu sehen. Meine Tochter war doch sehr enttäuscht, ich nicht ganz so. Dann müssen wir eben nochmal hin – in diese traumhafte Winterwelt.

Eingemummelt im Zwiebelprinzip – Feeling like Michelin-Männchen!

Um halb 3 nachts waren wir zu Hause. Es war ein Abenteuer, das ich genauso wieder buchen würde!

Sonntag

Heute morgen ging es früh los. Wir hatten eine Huskyschlittentour gebucht. Dabei wollten wir selber die Schlitten steuern! Wieder ging es mit dem Bus zunächst für 90 Minuten in die Winterlandschaft. Dann auf einmal aus dem Nichts war da der Husky-Hof. Erneut gab es eine weitere Schicht Winterkleidung und eine Einweisung wie man Schlitten steuert. Das geschieht heute noch wie vor über hundert Jahren. Neben uns waren zwei junge Männer aus Rumänien. Warum sie nicht die Snowmobiltour gebucht hätten, die parallel angeboten wurde, wollte ich wissen. Das könne man doch überall machen, mit Huskys Schlitten fahren aber nicht – war die Antwort! Stimmt! In unserer Gruppe gab es lediglich 3 Frauen. Meine Tochter, ich und eine Weitere. Ich hätte auf dieser Tour viele Frauen erwartet. Dem war nicht so.

Schade, dass man den Ton nicht übertragen kann, den die Huskys machten. Sie wollten unbedingt los, heulten und zerrten an ihren Geschirren. Deswegen fand die Einweisung etwas abseits statt. Dann ging es los. Die Guides hätten die Menschen und die Hunde nach Charakter zusammengeführt. Also ruhige coole Menschen zu eher aufgeregten Hunden. Auf keinen Fall dürften nervöse Gäste auf nervöse Hunde treffen. Okay dachte ich mir. Wir hatten einen „Champion“ mit im Gespann – ein Hund der sehr schnell laufen kann, aber weniger im Hirn habe. Was sagt das jetzt über uns aus?

Nach der Hälfte der Tour wurde getauscht. Jetzt durfte ich sitzen und meine Tochter steuern. Es war ein absolutes Highlight. Nach der Tour wurden die Hunde ausgiebig bekuschelt. Sie waren alle sehr zutraulich und genossen die Zuwendung. Außerdem fütterten wir die Tiere mit gefrorenem Fleisch bevor auch wir uns wieder aufwärmten und warme Suppe erhielten.

Zum Verlieben!

Nachdem wir die Schlittenfahrt hinter uns hatten, fuhr uns der Bus zum Ice-Dome. Das ist ein Iglu-Komplex indem man für viel Geld übernachten kann. Jedes Jahr wird dieser Palast erneut gebaut. Ohne Stützständer. Es wird ein Kuppelzelt aufgeplasen über das Schneemassen gepresst werden. Danach wird das Zelt wieder entfernt. Innen arbeiten Künstler an den Schneeskulpturen und an den Eisskulpturen. Für die Eisskulpturen werden aus einem See Eisblöcke herausgeschnitten, übereinandergestapelt und die Figuren herausgeschnitzt. Bis der Ice-Dome schmilzt, sackt er kontinuierlich ein wenig in sich zusammen. Die Figuren werden also mit der Zeit immer ein wenig dicker und gedrungener.

Ice-Dome

Nur Sami dürfen Rentiere besitzen. Sie leben in wilden Gruppen, aber gehören den Sami. Diese Jungtiere wurden zu Demozwecken dort gehalten, damit wir Touris mal ein echtes Rentier sehen konnten.

Montag

Für heute hatte ich einen Segeltourn auf den arktischen Fjorden gebucht, mit der Möglichkeit des Fischens. Ob das wohl eine gute Idee war bei dem Wetter? Ja und wie!

Wieder einmal gab es eine Zusatzschicht Wintergarderobe und dann ging es in einer kleinen Gruppe (wir waren 7 Erwachsene und 3 kleine Kinder) auf den schicken Katamaran, der in Tromsø am Hafen lag. Gemütlich ging es in den Fjord. Wir sahen zwei Adler und Seehunde und natürlich die sehr besondere Landschaft des winterlichen Fjordes bei dem winterlichen Licht. Sonnenaufgang um 9.30h und Untergang um 15.30h.

Nach einiger Zeit hatten wir eine Stelle erreicht, wo Kabeljau gut zu fischen sei. Wir bekamen eine Einweisung zum Angeln, das hatte bisher noch keiner gemacht und los ging es. Innerhalb kürzester Zeit bissen die Fische an. Aus dem Fischfleisch kochte der Matrose uns eine sehr leckere Fischsuppe. Frischer geht nicht!

Es war sooo schön!

Dienstag

Heute sollte es leider schon wieder nach Hause gehen. Bis zum späten Mittag hatten wir noch Zeit. Diese nutzen wir um Souveniers zu kaufen (Norwegerpullover), gemütlich Kaffee und Kuchen zu genießen, sowie ins Polarmuseum zu gehen. Dort erfährt man eine Menge über Polarexpeditionen und die Fangtraditionen der EInheimischen. Heute macht es traurig, wenn man sieht, wie Seehunde, Robben, Eisbären und weitere Tiere des Polargebietes gejagt wurden. Früher gehörte es zum Leben dazu.

Am Mittag ließen wir uns erneut mit einem Taxi an den Flughafen bringen und flogen pünktlich von Tromsø ab, obwohl es heftig schneite. Der Anschlussflug aus München hatte etwas Verspätung, in München hatte es ein wenig geschneit. Wir mussten schmunzeln.

Tromsø – wir sind verliebt und kommen wieder. Auch mal im Sommer! Dann soll ja die Sonne nicht untergehen. Das müssen wir auch erleben!

4 Kommentare

  1. Liebe Natalia,
    ich bin nur ganz zufällig über Deinen Blog „gestolpert“ – und finde Deine/ Eure Berichte wunderbar…weil ich die meisten Eurer Ziele auch schon sehen durfte. Ich kriege richtig Lust auf ein Wohnmobil, die schon immer mal da war. Mal sehen, was kommt…ist ja schon eine Finanzfrage…
    Herzliche Grüße von Anna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website benutzt Google Analytics. Bitte klicke hier wenn Du nicht möchtest dass Analytics Dein Surfverhalten mitverfolgt. Hier klicken um dich auszutragen.