natalia unterwegs

Elsass – schon ein bisschen im Süden, aber doch noch nah bei!

Wir haben 10 Tage Zeit, wollen gerne Wärme tanken, aber nicht so lange fahren. Da fällt uns das Elsass ein. Eigentlich war das für mich ein Ziel für alte Leute, nun gut, mit 55 Jahren gehöre ich da ja auch schon zu. Also nix wie hin!

Wir fahren vom Rheinland auf der A61 als sich ein Stau ankündigt und verlassen die Autobahn in Richtung Bad Dürkheim. Überall wird Wein angebaut. Wir passieren zahlreiche kleine Ortschaften mit Weingaststätten in denen die Weinreben über die Straße „gespannt“ sind. Ohne Stau auf der Autobahn hätten wir diese schöne Gegend nicht erlebt.

Dann sind wir auf einmal unaufgeregt in Frankreich angekommen. Mich überrascht immer wieder, dass es direkt nach der Grenze schon gleich ganz anders aussieht.

Angekommen in Straßbourg fahren wir zum Campingplatz an der Rue del Auberge de Jeneusse. Zum Glück haben wir vorab reserviert, es ist alles voll! Der Platz ist hübsch angelegt, ein wenig Schotter für die Autos, daneben Rasen, Bäume und Büsche. Es gibt gepflegte Sanitäranlagen, Brötchendienst, Spielplatz, Boule-Platz, Pool. In das Zentrum kann man bequem mit der Tram (machen wir) oder mit dem Bus fahren. Das wollen wir am Ankunftstag auch noch machen!

Eigentlich lassen wir uns heute nur treiben. Angefangen im Petite France schlendern wir durch die Gässchen und essen Flamkuchen mit Käse direkt am Fluß.

Schließlich „landen“ wir an der Kathedrale. Auf einmal stehen wir im Grunde unvorbereitet davor und fühlen uns auf einmal ganz klein. Wie mag sich der Mensch im Mittelalter vor solch einem Bauwerk gefühlt haben.

Nach einem leckerem Abendtrunk geht es zurück zum Campingplatz.

2. Tag Strassburg

Heute geht es zum Europaparlament. Politiker sind heute jedoch keine da, dafür aber viele stylische moderne Gebäudekomplexe.

Danach bestaunen wir die Gebäude am Platz der Republik.

Wir essen jedenfalls erstmal einen Gugelhupf, die auch typisch für Strassburg sind. Danach noch ein Ecclaire und für „zu Hause“ kaufen wir kandierte Früchte, Merinque und Wein.

Wir wollen noch ins Münster, vor der Kirche ist eine lange Schlange. Es gibt eine kleine Taschenkontrolle aber dann ist man doch schnell drin, kostenlos. (Für alle Menschen mit schwacher Blase: An der Seite auf dem Münsterplatz gibt es öffentliche Toiletten. Betreut von Personal, kostenlos und sauber! Hier kann „man“ hingehen.)

Innen gefallen uns die vielen bunten Fenster, das imposante Gebäude an sich, sowie die hübsche astronomische Uhr.

3. Tag Obernai/ Mont de Odile

Wir fahren nach Obernai, ein wirklich schönes mittelalterliches Städtchen mit Stadtmauer, Türmchen und bunten Fachwerkhäusern. Und wieder gefallen uns besonders die Geschäfte mit Esswaren, Nougat, Käse, Wein – aber auch klassische Souveniershops können Spaß machen.

Fast alle kleinen Elsass-Orte vertreiben an den Tourismus-Büros kleine Stadtpläne mit eingezeichneten Stradtrundgängen (50ct).

Um 12h kehren wir ein und essen „Backoffe“, ein klassisches Schmorgericht aus Kartoffeln und Fleisch, welches im Keramik-Schmortopf serviert wird. Ich nehme den „Fleischteller“, ich würde es Schlachteplatte nennen und vorweg probieren wir Schnecken. (Geschmack ist gut, viel Kräuterbutter – aber die Konsistenz ist nix für mich)

Satt und gut gelaunt fahren wir zum Mont de Odile und besichtigen das dortige Kloster. Odile war die Tochter des Herzogs vom Elsass und wurde 670 blind geboren. Ihr Vater verstieß sie aufgrund ihrer Behinderung. Bei ihrer Taufe mit 12 Jahren erhielt sie auf wundersame Weise ihre Sehkraft zurück. Ihr Vater schenkte ihr das Gebiet um das heutige Kloster damit Odile dort jenes errichten konnte. Das Kloster sei der beliebteste Wallfahrtsort der Elsässer und es ist immer noch aktiv. Viele Menschen besichtigen die Räume, in der Kirche riecht es stark nach Weihrauch und die Kerzen wärmen den ganzen Bereich.

Die Aussicht von hier oben ist toll, man kann sehr weit hinausschauen, jedoch mussten wir das Kloster nacheinander besichtigen, denn unser Hund Momo nicht mit rein durfte.

Auf dem Heimweg kaufen wir in einem Supermarkt ein. Wir wollen Baguette, Käse, Salami und Oliven kaufen. Der Supermarkt ist toll! So viel Auswahl an feinsten Produkten sind wir nicht gewohnt. Sogar lebenden Hummer kann man kaufen, obwohl ich das nicht unterstütze. Naja, Frankreich ist ein Land der guten Küche!

Käsetheke

4. Tag Fahrt nach Colmar

Heute fahren wir die elsässische Weinstraße entlang bis Colmar. Das macht sehr großen Spaß. Die Straße ist kurvig, eng und es geht hoch und runter. Mal wieder freue ich mich, dass unser Auto unter 3,5t wiegt, denn ab 3,5t darf man die Straße gar nicht befahren.

Die kleinen historischen Örtchen sind noch mit Stadtmauern, bzw. Teilen davon umgeben. Daher fährt man zu Beginn durch das Stadttor rein und am Ende durch ein anderes wieder hinaus.

Die Ortschaften sind alle schön. Wir steigen in Ribeauville und Riquewihr aus. Im ersten Ort ist sehr viel los, weil er zu Fuße der Burg Haut Königsburg liegt. Riquewihr gilt als besonders hübsch und als touristischer Hotspot. Mir gefielen die etwas ruhigeren Orte besser. Es wimmelt von Touris und Läden und Lokale für eben diese.

Als wir am Abend in Colmar auf dem Campingplatz lìll ankommen, freuen wir uns auf die Erholung.

In Colmar ist der Konstrukteur der New Yorker Freiheitsstatue geboren, deswegen begegnet man der Statue häufiger.

5. Tag Colmar

Heute besichtigen wir Colmar. Leider müssen wir zu Fuß vom Campingplatz in den Ort, da Hunde im Bus nur mitgenommen werden, wenn sie in einem Körbchen sitzen. Der Fußweg dauert 30 Minuten. Wir kommen direkt an der Markthalle an. Leider hat diese heute – es ist Montag – geschlossen. Überhaupt kommt es uns heute sonntäglich vor. Im Elsass, oder vielleicht auch nur in den touristischen Orten, sind die Geschäfte sonntags geöffnet und dafür montags geschlossen. Egal, wir sind nicht zum shoppen hier.

Die Markthalle grenzt an Klein Venedig. Pittoreske Häuschen säumen das Flüsschen auf dem Kähne, ähnlich wie in Venedig, Touristen transportieren. Nur sind diese Kähne schmucklos im Gegensatz zu denen in Italien. Von Klein Venedig gehen wir in das ehemalige Gerberviertel, welches wunderschöne Gassen, Häuser und Plätze hat. Wir lassen uns treiben, gehen in Souveniershops und sitzen lange beim alten Kaufhaus in einem Straßencafe und trinken ein Weinchen. Um die Uhrzeit wäre das zu Hause undenkbar für mich.

6. Tag Equisheim

Heute geht es nach Equisheim, eines der schönsten Dörfer im Elsass, und es ist wirklich so! Direkt vor den Toren des Ortes befindet sich ein hochmoderner Womo-Stellplatz, wo man über Nacht oder nur für ein paar Stunden bleiben kann.

Im Ort werden wir im Kreis geführt. Tafeln erklären Interessantes über den Ort. Die bunten Häuschen zeugen von Reichtum, früher war alles beige. In der Ortsmitte befindet sich eine kleine Wasserburg. Der Graben ist inzwischen trocken gelegt und aufgefüllt. Eine kleine Kirche findet sich auch dort. In Equisheim ist der spätere Papst Leo IX geboren – er war ein Fürsprecher des Zölibat – ok – das hätte es nicht gebraucht.

Fast in allen Dörfern gab es Storchennester auf den Häusern. Noch schöner: die Störche hatten zurzeit alle Nachwuchs. Diese übten sich bereits im Klappern! Idyllisch!

Grand Ballon

Nach dem Stadtbesuch wollen wir die Vogesenkammstraße zum Grand Ballon fahren (route de crete). Bei Cernay geht es „hoch“, im Wald schlängeln sich die Serpentinen nach Oben – unspektakulär eigentlich – bis zu dem Moment, wo der Wald aufhört – als ob wir in einem anderen Land wären. Almlandschaft, Hügel, Himmel – wie in der Schweiz.

Am ersten Parkplatz wo es zum Ballon geht halten wir an und kämpfen uns eine halbe Stunde nach oben. Oben ist es windig, meine Ohren schmerzen.

Ach ja, kurz zuvor gibt es noch eine Kriegsgedenkstätte zu besichtigen. Hartmanns-Willerkopf – hier kämpften im 1. Weltkrieg deutsche gegen französische Soldaten und es starben 30000 Mann. Auf einem Rundweg sind original Schützengräben, Bunker und Stacheldraht zu besichtigen. Wir haben das nicht gemacht. Hunde waren nicht erlaubt und Krieg ist menschenverachtend und furchtbar – das weiß ich schon.

Eigentlich wollten wir „oben“ am Markenstein übernachten – das ist kostenlos und erlaubt. Gefiel uns aber doch nicht so, war einsam und super windig. Kurzentschlossen fuhren wir nach Munster auf einen Stellplatz, viele Womos standen hier.

Nach dem Abendessen gab es noch einen Spaziergang durch den Ort, in dem der bekannte Käse herstellt wird. Und wieder gab es viele Störche auf den Dächern des Marktes – und Geklapper!

7.Tag

Wir befahren die Col de la Schlucht – eine berühmte schöne Passstraße um „oben“ in den Vogesen zu wandern. Ausgesucht haben wir uns die lt. Wanderführer gefährlichste Wanderung in den Vogesen (vorweg gesagt: ist total harmlos) – den Sentier de Roches (Strohmeyerpfad). Der Pfad beginnt auf Passhöhe (1139). Hier gibt es viele kostenlose Parkplätze. Gleich zu Beginn des Pfades sind steile Passagen mit Metallgriffen gesichert, gefährlich ist es nicht, aber der Tritt sollte immer umsichtig erfolgen.

Nach etwa 3 Stunden, 300m hoch und 300m runter sind wir schon etwas geschafft und gönnen uns was leckeres in der Auberge direkt am Parkplatz. Das Essen (Kalbskopf, Blaubeerkuchen) ist erstaunlich lecker! Dann steuern wir unseren Campingplatz an (Camping de Longemer) direkt am Lac de Longemer. Hier ist noch nicht viel los, obwohl es wunderschön ist und um den See insgesamt 4! Campingplätze liegen. Ach ja, um noch fürs Essen vorzusorgen gehts noch kurz in den Supermarkt – wieder einmal sind wir von den Frischetheken begeistert. Wir kaufen Crevetten, die wir mit Knoblauch braten wollen.

8.Tag

Weil wir in Wissembourg, wo wir eigentlich hin wollten, keinen Platz auf dem Campingplatz bekommen haben, fahren wir nach Saverne (deutsch Zabern). Vorher kaufen wir noch Lebensmittel ein (Achtung: Kaufrauschgefahr) und wir besuchen die Bettwäschefabriken, in denen es Fabrikverkäufe gibt. Hier im Ort gibt es einige Wäschefabriken, die vor Ort fertigen. Nach längerem Stöbern (französische Kopfkissen haben andere Maße) kaufen wir uns „Luxusbettwäsche“ fürs Womo ;).

Um 15Uhr kommen wir in Saverne an. Der Campingplatz – Les Portes des Alsace – liegt ortsnah und hat viel Grün und ein überdachtes Schwimmbad. Wir spazieren in den Ort, sehen das Schloß von außen an, spazieren zur Marina und trinken Aperol und Bier. Die Sonne knallt, vor unseren Augen spielen Menschen Boule – die Stimmung ist schön!

9.Tag

Heute fahren wir zur Burg Haut Barr. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde in den Sandsteinfelsen hineingebaut. Mittlerweile ist die Burg natürlich nicht mehr intakt, es macht trotzdem Spaß überall herumzulaufen und die Aussicht zu genießen. Besonders gefallen hat mir die kleine Kapelle. Im Hintergrund lief religiöse Musik und durch den Schein der Opferkerzen wurde eine ganz besondere Stimmung erzeugt.

Wir spazieren weiter zur gegenüberliegenden Burgruine (15 Minuten). Es gefällt mir hier. Als Kind bin ich mit meinen Eltern oft bei Burgruinen gewesen, so kommen Erinnerungen auf. Die Sonne kommt raus, mittlerweile ist es warm geworden.

Wir fahren nach Graufthal, das liegt in Lothringen. Dort gibt es einzigartige Felsenwohnungen zu bestaunen. Bis in die 60er Jahre wohnten hier in 3 Häusern Familien mit vielen Kindern unter einfachsten Bedingungen. Dennoch ist die letzte Bewohnerin 90 Jahre alt geworden. Ich bin beeindruckt.

Zurück in Saverne besuchen wir noch den Rosenpark. Er ist nicht allzu groß, aber alle Rosen stehen jetzt, Anfang Juni, in voller Blüte. Rosenzüchter aus aller Welt schicken ihre Neuzüchtungen hierher und hoffen auf gute Bewertungen. Jedes Jahr im Juni werden diese Neuzüchtungen hinsichtlich Blüte, Duft, Robustheit bewertet. Besonders nett jedoch waren die Menschen am Empfang.

Letzter Tag (10)

Heute fahren wir über Wissembourg zurück nach Deutschland. Wissembourg liegt direkt an der Grenze und über Pfingsten soll hier ein großes Stadtfest der Trachtenvereine stattfinden. Als wir in den Ort spazieren, sind wir zunächst etwas enttäuscht. Wb. ist eine lebendige Stadt, hat zwar schöne Gassen und Häuser, aber nicht den Flair wie die Dörfchen an der elsässischen Weinstraße. Hinzu kommt, dass schwarze Regenwolken in Anmarsch sind. So bummeln wir über den Markt, kaufen Kekse und andere Esswaren und bleiben beim Trachtentanz stehen. Jetzt geht der Starkregen los und wir stellen uns unter. In einer kurzen Regenpause eilen wir zurück zum Womo.

Den ganzen Tag hörte es nicht mehr auf zu regnen. Mit noch einer Zwischenübernachtung landen wir wieder zu Hause! Schön wars!!

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