natalia unterwegs

Urlaub in Corona-Zeiten

mit dem Wohnmobil durch die Lüneburger Heide sowie die Elbtalauen

lila überall, dazu ein roter Himmel am Abend!

Schon lange haben wir davon geträumt, ein Wohnmobil zu besitzen und einfach so am Wochenende loszufahren, oder in der Rente wochenlang unterwegs zu sein. Jetzt in der Corona-Krise wurde unser lang geplanter Sommerurlaub storniert. Wir fuhren zu einem Wohnmobilhändler, nur mal so, zum Gucken. Und siehe da – wir kauften spontan ein Vorführmodell, einen kleinen Camper, 6m lang, Kochnische, Bad, Schlafbereich. Zum ersten Test sollte es nicht so weit weg gehen. Wir fuhren in die Lüneburger Heide. Unser Camper hat eine Solaranlage und zusätzliche Batterien, so können wir auch „frei“ stehen können. Wir steuerten den Wanderparkplatz und Wohnmobilparkplatz Oberhaverbeck an. Der liegt mitten im Nationalpark und einige Wanderungen durch die Heide gehen genau dort los.

übrigens auch Momo fühlt sich wohl, immer bei uns. Sie schläft nachts unter dem Tisch.

Nach dem späten Frühstück ging es los zur Rundwanderung. Oberhaverbeck – Totengrund – Wilsede – Wilseder Berg – und zurück. Es waren wunderschöne Natureindrücke, aber die offene Heidelandschaft bei sommerlichen Temperaturen ist auch anstrengend!

Wilsede ist ein kleines Dorf, ganz auf Tourismus ausgelegt, welches nicht mit dem Auto erreicht werden kann. Nur Kutschen, Räder und Wanderer erreichen den Ort. Wir stärkten uns mit einem Eis. Das war am Stil und wir aßen es mit viel Abstand im Biergarten. Dafür hinterließen wir unsere sämtlichen Daten. Ich dachte mir, wenn jetzt hier einer der Kunden Corona hat, dann lande ich gleich in Quarantäne. Wir sind danach nicht mehr eingekehrt. (Später an meinem ersten Arbeitstag musste ich dann tatsächlich in Quarantäne, aber nicht wegen der Gästen in Wilsede, meine große Tochter hatte sich irgendwo infiziert. Zeigte keine Symptome – zum Glück – aber ich hatte sie Tage vorher umarmt. Es war ein großer Schreck! Dieses Virus ist unberechenbar!)

Am Abend wärmen wir unser vorgekochtes Essen auf, nehmen unser wohlverdientes Feierabendbier und setzen uns auf eine Bank an der Heide. Wir hören die Zirpen zirpen, einen Kuckuck rufen und beobachten die untergehende Sonne. Kurz nach Sonnenuntergang, jetzt ist es ruhiger geworden, kommt ein Hirsch aus seiner Deckung und spaziert äsend über die Lichtung – ein bewegender Moment.

Am nächsten Tag haben wir uns vorgenommen die Schwindequelle zu besuchen und eine empfohlene Rundwanderung zu machen. Auch wollen wir nochmal einen neuen Stellplatz ausprobieren. Die Schwindequelle ist Deutschlands zweitstärkste Quelle. Unter dem Sandboden kommt das Wasser herauf, so dass manchmal kleine Sandfontänen und Sandformationen zu sehen sind. Außerdem ist das Wasser eisenreich und enthält Manganoxid, was zu orangener und grünlicher Färbung führt.

Wir übernachten auf dem Wohnmobilstellplatz an der Schwindebecker Heide. Zunächst bin ich mir nicht sicher, ob ich mich getraue – sind zunächst nur 2 Mobile da. Dann kommt doch noch ein drittes und wir bleiben. Wir schlafen mit Blick auf die Heide – besser geht es kaum.

Lüneburg

Nach zwei Nächten in der Natur freuen wir uns auf ein bisschen mehr Trubel und wir fahren nach Lüneburg. Wir sind sehr gerne in Lüneburg, lieben die alten Straßen mit den leicht schiefen Fachwerkhäusern, den Hafen, die abendliche Atmosphäre, das Umland. Dieses Mal wollten wir einfach nur bummeln, in Cafes sitzen und uns treiben lassen. Lüneburg hat einen großen, recht komfortablen Wohnmobilstellplatz auf den Sülzwiesen. Von hier aus kann man zu Fuß schnell ins Zentrum kommen.

Bleckede

Von Lüneburg fahren wir am nächsten Morgen nach Bleckede. Das ist nur eine gute halbe Stunde Fahrt. Bleckede liegt direkt an der Elbe. Bleckede ist ein gemütlicher alter Ort mit Fachwerkhäusern und Backsteinbauten. Von hier aus wollen wir am nächsten Tag eine Radtour entlang der Elbe machen, auf der anderen Seite, dem ehemaligen ostdeutschen Zonenrandgebiet.

Wir parken und schlafen auf einem kostenlosen Wohnmobilstellplatz direkt am Deich, leihen uns Räder und setzen mit der Elbfähre, die wenig kostet und bis spät abends immer hin und her fährt, über.

Auf der anderen Seite sieht es sofort anders aus. Es ist zu merken, dass hier wenig Menschen leben durften, sogar zwangsumgesiedelt wurden. Es gibt keine Industrie, keine Geschäfte. Kleine Dörfer, die ein bisschen wie vor 100 Jahren wirken. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier einen Film drehen könnte, der im bäuerlichen Leben vor 150 Jahren spielt. Vor dem Elbdeich sind Auenlandschaften und es gibt viele Tiere zu sehen. Irgendwie eine naturbelassene heile Welt. Da wir unseren Hund dabei haben, der Fahrradverleih aber keinen Hundeanhänger vermieten konnte, radeln wir gemütlich bis Stiepelse.

Autorunde von Bleckede nach Hitzacker auf der Ostseite der Elbe

Heute fahren wir mit dem Auto, um alte Dörfer zu sehen und etwas von der deutsch-deutschen Geschichte zu erfahren. Auch die Stixer Wanderdüne steht auf dem Plan.

In Konau stehen die alten Höfe ganz dicht nebeneinander und haben schmale Fronten. Nach hinten ist dann viel Hof. Das liegt an alten Steuergesetzen. Je mehr Front der Bauer am Deich hatte, desto mehr musste er auch für den Deichschutz zahlen.

Stixer Wanderdüne

Die Stixer Wanderdüne ist noch immer in Bewegung. Um diese Wanderschaft zu stoppen, hat man Mitte des 19.Jh. Kiefern angepflanzt. Das hat aber nicht wirklich funktioniert. Wenn man die Wanderdüne besteigt, sieht man Kiefern, die bis zur Krone im Sand stehen. Es ist extrem heiß heute. Schon im Reiseführer steht, dass es hier im Sommer sehr heiß werden kann. Barfuß auf dem Sand ist es nicht auszuhalten. Wir kämpfen uns hoch, können die Gegend nicht wirklich genießen. Stolz es geschafft zu haben, begegnen uns auf dem Rückweg einige Menschengruppen, mitunter mit kleinen Kindern. Alle fragen uns, ob sich der Aufstieg lohne. Die Hitze setzt allen zu.

Badestelle am Zeester Teich

Von der Hitze geschafft, ruhen wir am Zeester Teich aus. Zum Glück konnte ich ein Bild machen, dass menschenleer ist. In Wirklichkeit waren hier viele Familien unterwegs. Wir ließen unseren Hund ins Wasser. Besonders schön war die Atmosphäre. Die Kinder waren begeistert von unserem Hund, die Eltern enspannt und nicht ängstlich. Es war auch hier eine heile Welt. Wenn wir mal immer so entspannt mit unseren Mitmenschen und in der Familie sein könnten!

Hitzacker

In Hitzacker angekommen parken wir unser Mobil auf dem kostenlosen Stellplatz an der Bleichwiese. Hier ist sehr viel los. Aber die Stimmung ist entspannt und freundlich.

In Hitzacker erzählen die Häuser Geschichten. An den alten Häusern sind Tafeln angebracht, die alle Bewohner auflisten, die hier gelebt haben. Auch die Berufe sind verzeichnet sowie Besonderheiten. Das ist sehr interessant. Die Stadt wirkt lebendig. Am nächsten Morgen bummeln wir wieder durch den Ort und schauen uns die kleinen Läden an. Es gibt einiges an Kunsthandwerk, dass Spaß macht angeschaut zu werden. Am Mittag fahren wir weiter Richtung Celle.

Celle

Celle hat den 2. Weltkrieg ohne große Schäden überstanden. Daher ist die Altstadt eine Ansammlung von Fachwerkhäusern. Außerdem gibt es ein Schloß, einen Schloßpark und gemütliche Lokale.

Wir bummeln durch die Fußgängerzonen und schauen uns die Geschäfte an. Leider sind es meist die gleichen Ketten, die es in fast allen deutschen Städte so gibt. Da hatte Lüneburg für meinen Geschmack mehr zu bieten. Vielleicht haben wir aber auch nur nicht die richtigen Ecken entdeckt. Es ist Hitzewelle in Deutschland und so fühlen wir uns auch ein wenig lahmgelegt durch die große Wärme. Wir sitzen am Marktplatz, trinken Tee und Kaffee und lauschen einer Gruppe junger Musiker, die mit klassischen Instrumenten alte Kinderlieder spielen. Ich mag das!

Ende der Woche – Heimreise

Eine wunderschöne, sonnengeprägte Woche geht zu Ende. Die Reise war stresslos, die Entfernungen klein. Wir werden sowohl die Heide als auch die Elbtalauen wieder besuchen. Die Corona-Krise hat uns veranlasst im Urlaub in Deutschland zu bleiben. Wir haben Ecken gesehen, die wir bisher nicht kannten, obwohl wir schon auf fast allen Kontinenten unterwegs waren. Verrückt eigentlich!

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